Sinn und Sinne

MoniSophie im DigiTal – Visions-Retreat Teil2

Samstagsbeschäftigung

Heute ist es ein grauer, windiger Samstag. Da muss man nicht unbedingt raus. Aber ich habe ja ohnehin schon etwas vor.
Mein Mann ist schon vorgewarnt: heute ist Online-Tag. Der Visions-Retreat steht an. Vorsichtshalber habe ich mir den ganzen Tag freigehalten. Denn was mich hier genauer erwartet, das werde ich gleich erst erfahren. Erst seit gestern weiß ich, dass die Veranstaltung zwischen 10 Uhr und 16 Uhr stattfindet. Ungewöhnlich, aber vielleicht hat die Veranstalterin noch auf die allerletzten Buchungen gewartet. 

Gut vorbereitet

Mit ein paar Bögen Papier, Farbstiften, Laptop, einem Glas Wasser und einer Kerze ausgestattet, blicke ich den Erkenntnissen des Tages entgegen. Bei der Anmeldung sind wir gebeten worden, unsere Erwartungen zu formulieren. “Mehr Klarheit für die Ausrichtung der nächsten Schritte”, habe ich für mich formuliert.

Überraschung

Wir werden von einer freundlichen jungen Frau begrüßt, die uns auch gleich eine “Überraschung” ankündigt. Diese besteht im Live-Auftritt eines Paares, das ein Motivationsliedchen zum Besten gibt. 

Ich atme tief durch – nein, noch nicht den Aus-Knopf drücken. Es hat ja noch gar nicht angefangen! 

Retreat versus Workshop

Der nächste Programmpunkt ist die Erklärung des Unterschiedes zwischen Retreat und Workshop.
Wenn ich es richtig aufgenommen habe, liegt der darin, dass einmal richtig “gearbeitet” wird und im anderen Fall in Ruhe “empfangen” oder anders ausgedrückt, der Blick sich wegen der entspannten Umgebung weitet.
So weit so gut, das kann man so stehen lassen.

Reinigung 

Da ich im Verlauf der letzten zwei unterbeschäftigten Jahre bereits öfter in Masterclasses und Online-Kongresse hineingehört und geschaut habe, hebt mich auch der folgende Teil nicht vom Hocker. Bin es als katholisch getauftes Kind von meiner Umgebung wenigsten im Hochamt gewohnt: Die Reinigung des Raumes um uns mit der brennenden Kerze / Weihrauch und damit die Verbindung mit Kräften und Energien. Kann nicht schaden, ob es nutzt, sehen wir dann vielleicht. 

Farben 

Es gibt eine Visualisierungsübung zur Verbindung mit der Natur nach Alberto Villoldo. Den kenne ich schon, seines Zeichens Schamane. Mit Visualisierungen habe ich generell so meine Probleme, auch wenn wir uns nur eine oder mehrere Farben merken sollen, die auftauchen. Bestenfalls ein Bronzebraungold? 

Wir tippen unsere Farben in den Chat (“Unterhaltungs”möglichkeit bei Online-Treffen) ein und bekommen von Anna die Auflösung, bzw. eine Rückmeldung, welchem Aura-Bereich die gesehene Farbe zuzuordnen sei. Goldgelb, lerne ich, steht für Leben bejahen, Selbstvertrauen, gute Fokussierung, Klarheit im Leben, Glück fühlen, “ich kann”, Sonne tanken, Feuer nutzen, Vielseitigkeit leben, Begeisterung und Freude auslösen….

Danke, danke! Was mache ich dann noch hier? 

Stopp! Erst mal die Farbstifte nehmen und einen Fleck malen in der gesehenen Farbe. Wenn keiner in der Farbe da ist, reicht es auch das Wort zu schreiben. Na, gut. Ich zieh das jetzt hier durch. Danach sollen wir noch unser Wasserglas auf die so bezeichnete Stelle platzieren. Aus energetischen Gründen. Blöd nur, dass ich mir jetzt ein neues Blatt zum Kritzeln und /oder Mitschreiben nehmen muss?

Die nächste Information besteht darin, uns Hinweise zu geben, dass wir die Farben für verschiedenste Zwecke nutzen können. Danke, da war schon Goethe drauf…Aber vielleicht ist es noch für einige neu…

Wertvoll und / oder teuer?

Zum Abschluss des Vormittags bekommen wir noch ein Highlight. Und zwar eine energetische Wirbelsäulenaufrichtung.

 
“Jo, dat wär man nich verkehrt, ne.”
Hallo! Eine energetische!
Das ist was ganz was anderes.

Auf jeden Fall bekomme ich davon nichts mit. Wir liegen ja oder sitzen mit geschlossenen Augen und warten auf den Schlusston, um zu wissen, dass alles getan ist und wir die Augen wieder öffnen dürfen. Sensationen bleiben aus, jedenfalls bei mir, wen wunderts? Immerhin ist diese wertwolle 10-Minuten-Zeremonie im normalen Leben nicht für unter 300 Euro zu haben. 

Geschenkt

Also freue ich mich auf jeden Fall über das Geschenk!

 

Darauf folgt eine komplette Stunde Mittagspause. Ja, das hier ist ein Retreat! Hetzen wär da komplett kontraproduktiv!

Nichts gegen den netten Herrn, der anschließend seinen Vortrag über Selbstermächtigung hält. Es ist nichts falsch daran, aber auch nichts wirklich ansprechend. Wahrscheinlich war er zu aufgeregt, um souverän rüberzukommen und noch zu beeindruckt von seinem eigenen Erleben. Oder ich bin einfach schon über das Alter hinaus. 

Jedenfalls hatte ich ein erhöhtes Unfallrisiko: nämlich mit dem Kopf auf die Tischplatte zu knallen, mitten im Suppentief!

Okay, was für mich nicht so richtig taugt, kann für andere der Sensationsschritt sein. Manchmal gibt es der Herr den Seinen ja im Traum. Nur weil ich mich nicht erinnern kann, muss das kein fruchtloser Weg bleiben. 

Trotzdem: das wäre jetzt fast der Punkt für den Knopf gewesen, genau!

Gelernt

Na gut. Wir haben gelernt und vertieft, dass alles von innen kommt und die Ausreden im Außen für das Zögern als Deckmäntelchen herhalten müssen.

 
Love it –  Change it – or – Leave it –
Entweder du magst es so oder du machst es für dich passend oder du haust ab.

 

Nein. Ich habe beschlossen, mir jetzt bis zum Schluss anzusehen, was unter einer solchen Überschrift verkauft wird. Das tut meinem Ego so gut!

Geübt

Wir bearbeiten noch einige unserer hemmenden Glaubensätze und kommen irgendwie auf das Bagua und die FengShui-Zahlenmechanik.

Also geboten wird da schon eine bunte Palette! 

Eine Reise zu unserem Krafttier. Nicht gerade meine Erfolgsübung. Hat schon mit Ingrid nicht geklappt und die ist immerhin meine Freundin. Alle schreiben ihr Krafttier oder ihre Krafttiere wieder in den Chat und wir bekommen eine Symboldeutung dafür vorgelesen. Dauert eine Weile für ca. 20 TeilnehmerInnen. Wir lernen beim Zuhören. Oder?

Eine weitere Übung besteht aus dem Atmen im Dreieck, nein im magischen Dreieck. Ähnelt sehr der Quadrat-Atmung, die ich irgendwann in irgendeinem anderen Kursus oder Buch mal aufgeschnappt habe. Aber wenn ich mich der Panik nähere, hilft das gar nichts, null. Heute bin ich ganz entspannt und es soll mir nur ein Wort gegeben werden. Ach so, nee, das ist jetzt nicht ganz richtig. Das Wort hatte mir das Krafttier ja schon zum Abschied geschenkt. Ich habe spontan beschlossen, es mit “leicht” zu probieren, bevor ich sage “nichts”.

Freundliche Menschen kennengelernt

Zum zweiten Mal werden wir von der Kursleiterin auf kleine Austauschgruppen aufgeteilt. Meine bestand aus nur einer weiteren, recht sympathischen Person, die selbst auch im Heilungs-Geschäft ist. War ein nettes Gespräch, wie schon mit den anderen am Vormittag auch. Upps, da fällt mir ein, dass ich bei keiner der TeilnehmerInnen meine Adresse gelassen habe. Aber sie kennen die meiner Website. Das ist ja auch schon was…

Die Abschlusszeremonie besteht aus dem Verbrennen / Räuchern mit kleinen Kräuterpäckchen für alle unsere geschenkten Worte.

 

Schlussbetrachtung:

Nette Menschen, die freundlich miteinander umgehen. Jede/r auf ihre/seine Art irgendwo mit unsicheren Stellen. Auf der Suche nach einer Antwort. Das sind wir alle. Solche Angebote sind für viele gut, um Ideen für Änderungen zu finden oder eben “Autoritäten”, die sie ein Stück führen oder in eine Richtung schubsen. 

Staunend beobachte ich solche “Arbeit”, noch mehr wundere ich mich über die Erfolge. Ich wünsche mir auch mehr als jede/r andere, dass ich endlich meinen klaren Weg einmal “sehen” kann. Und frage mich gleichzeitig, wie das Ganze funktioniert und warum bei mir eben nicht? Ich werde weiter suchen, immer wieder neue Wege planen, bahnen, entlanglaufen oder stolpern, rutschen, alles vergessen und wieder neue Wege finden. 

Weil ich es kann…

Die ersehnte Klarheit – würde sie mir nicht alle Freiheit nehmen?

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