Sinn und Sinne

Glitzer – Frühling trotz allem

Der dritte Ausnahme-Frühling

Ein Samstag im März 2022. Die Seuche bestimmte bis vor kurzem unseren Alltag. Jetzt nicht mehr allein.
Ein neues Thema wirft seinen Schatten darüber. Dabei bin ich, sind wir alle schon müde.

Ist das der richtige Zeitpunkt?

Wir haben gerade die höchste Inzidenz an Neuinfektionen in der gesamten Pandemie. Trotzdem ist der sogenannte „Freedom-Day“ für den 20. März geplant. Warum nur, gerade jetzt? Es gibt einige logische Erklärungen, so die bereits dreifach verabreichte und für eine Reihe älterer Menschen nochmals geboosterte Impfung. Fast 80 % sind dabei. Aber mehr wird es nicht werden. Die Frage ob oder ob nicht hat einen tiefen Graben gezogen. Eindeutige Antworten? Werden die überhaupt noch gesucht? Alles bleibt diffus und widersprüchlich. Absichtlich oder unabsichtlich.

Was ist richtig?

Das folgt irgendwelchen chaotisch-systemischen Regeln. Wir wurden in Jahrzehnten daran gewöhnt. Mit Fake-News und Sensationsmeldungen und Katastrophen nachrichtlich überversorgt, haben wir praktisch keine Chance mehr, das Echte herauszufinden und zu einem überzeugten und nachhaltigen, sinnvollen Handeln zu kommen. Ein Unvermögen, eine Ohnmacht, die uns in Wurschtigkeit fallen lässt oder mit einem trotzigen „Ich will aber“ reagieren. Fast schon normal. Eine neue Normalität.

Was dürfen wir uns erlauben?

Gestern wuchsen die Inzidenzen, die offiziell gemeldeten Neuerkrankungen, wieder auf Rekordhöhen. Am Nachmittag habe ich es erfahren. Meine Familie 300 km weiter hat es jetzt auch erwischt. Dennoch bleiben sie unerwartet „cool“. Vermuten einen (den ersten!) Restaurantbesuch seit gefühlt ewigen Zeiten als Quelle. Lecker war’s. Irgendwann erwischt es jetzt wohl jeden. Gut, dass unser Vater kurz vorher abgesagt hat. Wenigstens diese Sorge fällt aus. Obwohl Papa über eine sehr robuste Gesundheit verfügt. Aber worauf kann man sich heute noch verlassen?

Zwei Stunden später sitzen wir mit Freunden in einer Gaststube. Strenge Einlasskontrolle. Impfstatuscode wird gescannt und der Personalausweis mit ihm abgeglichen. FFP2-Masken im Gesicht bis wir am Tisch sitzen. Praktisch ausgebucht. Wir freuen uns über das Wiedersehen und plaudern, schaffen es sogar, zu genießen und fröhlich zu sein. Fragen uns: Dürfen wir das? – Warum nicht, wem hilft’s? – Ganz sicher sind wir uns nicht. Natürlich nicht.

Neue Schatten

Der Schatten, das sind die Auseinandersetzungen nach dem Einmarsch im Norden. Putin in der Ukraine. Zerstörung, Kampf, Helden, Flucht. Diskussionen um Waffenlieferungen und Sanktionen, um die Rolle unseres ehemaligen „Basta-Kanzlers“.

Wieder einmal sind Millionen Menschen unterwegs, auf der Flucht. Viele haben schon alles verloren.
Andere versuchen zu retten, was zu retten ist. Irrsinn.

Europa bekommt demonstriert, wie unbedeutend es ist. Blick auf die Weltkarte. Die Größenverhältnisse sind nicht beruhigend. An den Grenzen wird tatsächlich versucht, zu filtern, wer aufgenommen wird. Das perfide Spiel von Belarus mit syrischen Flüchtlingen ist nicht auszuhalten.

Angeschlagen

Die Schlagzeilen. Schlagen im wahrsten Sinne des Wortes tiefe Wunden in unsere Seelen. Wieviel können wir ungepanzert auf uns wirken lassen? Menschen, die mir lieb sind, haben graue, versteinerte, verzweifelte Gesichter bekommen in diesen Tagen. Manche zittern, manche sind verweint. Mit Blau und Gelb versuchen wir unsere Solidarität zu äußern. Ob das jemandem hilft?

Alles in Bewegung und doch nicht vorwärts

Es geht wieder los. Wo holen wir die Zuversicht her? Stärke zeigen durch drastische Sanktionen. Mit aller Macht dagegenhalten. Da müssen wir durch. Klar. Und dann? Die nächsten Meldungen hauen uns die Konsequenzen um die Ohren, rütteln an dem Gefühl, das Richtige zu tun oder zumindest zu befürworten. Was wird daraus? Muss das so sein, oder gibt es eine andere Chance?

Frühlings-Erwachen

Wir balancieren auf einem Meer von Fragezeichen und müssen uns doch bewegen, wenn wir nicht untergehen wollen.

Es ist Frühling. Das Sonnenlicht kehrt zurück, es wird wärmer und die ersten Blüten setzen farbige Akzente in eine graue Welt. Doch! Ich will genau das sehen. Das kleine Glück.

Nein, das ist nicht lächerlich und sinnlos. Das ist die Energie, das Brot, das mich nährt und mir hilft, stark zu bleiben.
Nur, wenn ich mich an diese Quelle anschließe, habe ich überhaupt die Chance, irgendetwas zu bewirken. Und wenn nur ein Hauch von Zuversicht entsteht, dass wir es besser hinbekommen, als uns das alle Berechnung fürchten lässt.

Motivationsgeschichte

Wie war das noch mit dem strampelnden Frosch, der in den Topf mit flüssiger Sahne gestürzt ist? Oder welches Tierchen auch immer. Kräfte sammeln, mobilisieren, durchhalten und bewegen, bis wir auf dem Rahm stehen können.

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